Schnapp-Fotos, die Technik hinter den Sabberbildern – Howto

Schnapp-Fotos von Hunden, ein Bild, in dem Moment in dem der Hund ein Leckerli fängt, fotografisch festgehalten. Das Resultat sind meist lustige Bilder, die den Hund in einer völlig neuen Facette zeigen.

Schon alleine deswegen, weil das menschliche Auge viel zu langsam ist um diesen Moment abzuspeichern. Deshalb bedienen wir uns der Fototechnik, um dies zu ermöglichen. Wie geht das nun?

Da ich nach der Aktion #catchitforrescue oft gefragt werde, wie denn nun diese witzigen Schnapp-Bilder entstehen, erkläre ich heute mal meine Technik.

Ein gutes Schnapp-Bild besteht meiner Meinung nach aus 3 Komponenten:

  1. Die Wurftechnik
  2. Die Mitarbeit des Hundes
  3. Die Fototechnik

Zu Punkt 1. Der Wurftechnik. 

Es ist sinnvoll ein wenig das Werfen mit der linken Hand zu trainieren, am Besten gleich mit der Kamera in der Rechten. Man stellt sich dafür einen Becher auf und versucht diesen mit Leckerlies zu treffen, während man durch den Sucher der Kamera schaut.  Die Distanz zum Becher betrug in etwa der, welche nachher auch der Hund zur Kamera einnimmt. Also 50cm- 100cm je nach Optik die Ihr verwenden wollt und könnt. Nach einigen Übungsdurchläufen mit Becher, ran an den Hund.

(Werfen mit Links üben) 

Hier gibt es eigentlich keine wirkliche Anleitung, da jeder Hund andere Fangeigenschaften mitbringt. Es hat sich aber nach ca. 80 Hunden bestätigt, dass eine möglichst kurze Distanz zum Hund und ein zentraler Wurf von der Optik auf die Nase gezielt die lustigsten Ergebnisse zu Tage bringt. Nach einigen Würfen verfalle ich in so eine Art geistigen Einklang mit dem Hund und weiß wie und wann ich werfen muß.  Womit wir auch schon bei Punkt 2. sind.

Punkt 2. Die Mitarbeit des Hundes. 

Ich glaube da muß ich jetzt nicht all zu viel berichten, der Hund sollte verfressen sein und Leckerlis lieben. Dass er Schnappen kann ist gar nicht so wichtig, denn auch Fotos von Hunden, denen das Leckerli direkt vor der Nase vorbeisegelt, haben mich schon lachtechnisch vom Stuhl gerissen. Manch einer hat sogar das Schnappen erst beim Shooting, zur Überraschung der Besitzer, gelernt.

(Liebe, Leckerchen, Geduld und selber werfen) 

„Sitz“ sollte das Fellviech vielleicht noch zur Vereinfachung beherrschen. Wie ich den Hund jetzt dazu bekomme da zu sitzen wo ich es gerne möchte, da hilft viel Geduld, die überzeugenden Leckerlis und man muß diese Hunde-Viecher wirklich sehr gerne mögen, dann machen sie fast alles für einen. Und glaubt nicht, dass die Sache funktioniert, wenn jemand anderes für euch die Leckerlis wirft, dann schaut entweder der Hund nicht in richte Richtung oder Ihr erwischt nicht den richtigen Moment.

Punkt 3. Die Fototechnik

Eigentlich sind einfachen Schnapp-Fotos mit relativ wenigen Mitteln zu bewerkstelligen, hat man die Wurftechnik etwas geübt und befindet sich im Freien bei genügend Licht. Ein Objektiv welches ein wenig weitwinkelig ist, macht schöne große Nasen. Bei meiner APS-C Kamera verwende ich immer das Nikon 17-55 f2,8, damit bin ich für fast alle Hundegrößen gewappnet. Nun einfach die Kamera auf Serienbild schalten, eine kurze Verschlusszeit wählen (jenseits der 1/1600), ein Blende zwischen 8 und 11, Leckerli schmeißen und draufhalten. Ein tolles Bild ist auf alle Fälle dabei.

(Schnappende Hunde = Bewegung einfrieren) 

Nur will man das ganze ja in aller Ruhe und mit dem Hintergrund seiner Wahl im Studio bewerkstelligen. Da wird die Sache etwas komplizierter, die Bewegung mit Studioblitzen ein zu fangen.  Es gibt meiner Recherche nach zwei Möglichkeiten;

Einmal mit einem HSS tauglichen Studioblitz oder einem entsprechend leistungsfähigen und ebenfalls HSS tauglichen Systemblitz (Aufsteckblitz). Die Funktion HSS = High Speed Sync. sollte natürlich auch von der Kamera unterstützt werden.

(HSS = High Speed Syncronisation, Blitzsynchronisation bei kurzer Verschlußzeit) 

Im HSS-Modus könnt Ihr mit sehr hohen Verschlußzeiten Blitzen, und das müssen wir auch beim Leckerlischnappen, sonst gibt es Bewegungsunschärfe. HSS Funktion rein, Kamera auf eine Verschlußzeit jenseits der 1/1600 stellen (je kürzer, je besser) , Leckerli schmeißen und einfrieren. Problem ist, Ihr habt meist nur einen Schuß pro Leckerli, da der Blitz nicht wirklich mit der Serienbildschaltung eurer Kamera, bedingt durch die Blitz-Ladezeit, mitkommt (Ich weiß, es gibt auch tolle Portys, die das können, aber wer hat das schon).

(Meistens nur ein Versuch pro Leckerli-Wurf) 

Problem Nummer zwei beim HSS-Blitzen, der Blitz gibt nur einen kleinen Teil der Ihm zur Verfügung stehenden Leistung ab. Dies macht sich besonders bei Sytemblitzen bemerkbar. Da bleibt nur noch die ISO hoch zu Schrauben, leider auf Kosten der Bildqualität. Mit mehreren Blitzen kann natürlich das Licht entsprechend geführt werden und das Wunsch-Setup errichtet werden. Aber bitte verwendet Funkauslöser, manche Hundis zupfen gerne an rumliegenden Kabeln herum. Ist erstmal der Blitz samt Softbox auf den Hund gefallen, bekommt Ihr den Armen nicht so schnell wieder vor den Hintergrund.

Möglichkeit Nummer 2. Die kurze Biltzabbrennzeit ausnutzen. 

Nach vielen Versuchen mit HSS, teurem Porty etc. bin ich nun bei meinem Standard-Setup angekommen. Die Abbrennzeit des Biltzes auszunutzen, reduziert man nämlich die Leistung eines Blitzes wird die Abbrennzeit des Selbigen kürzer. Dies kann zum Teil einer Verschlußzeit,je nach Blitzmodell, bis zu einer 1/19000 und weniger entsprechen. Ein wahrer Traum für den Schnappi-Knipser, oder?

(Kurzer Blitz-Abbrennzeit = ähnlich einer kurzen Verschlusszeit = Einfrieren von Bewegung) 

Ja, wenn wir über die richtigen Blitze verfügen. Studioblitze mit kurzen Abbrennzeiten sind meist eher selten oder sehr teuer. Da sind wir wieder beim Systembiltz, der kann das nämlich meistens.

Ein Yongnou YN-685 auf 1/8 Leistung eingestellt eignet sich perfekt dafür. Die Verschulßzeit der Kamera ist nun fast nicht mehr interessant, da der Blitz ja das Bild belichtet. Trotzdem wähle ich hier meist eine 1/200 um den Hintergrund und das Umgebungslicht etwas abzudunkeln, das ist aber eine reine Geschmacksache.

(Je Kürzer die Verschlußzeit, je weniger Umgebungslicht, bei der Blitzerei!) 

Meine Kamera, die Nikon D-500 kommt  bei einem Setup wie auf der Skizze unten sehr gut mit einer ISO 500 aus. Da ist noch genügend Spielraum für Abzüge trotz APS-C Format vorhanden. Wenn ich Studioblitze einsetze, wie z.B. von Jinbei, kann ich die ISO sogar auf 100 einstellen. In dem Setup unten werden 3 Yongnou YN-685 Blitze mit Funkauslöser verwendet. Ich denke das ist die einfachste und preiswerteste Lösung für den Hobby-Fotograf.

(Systemblitze (Aufsteckblitze) haben meist sehr kurze Abbrennzeiten) 

Für den Profi im Studioalltag stellt sich da allerdings das Problem des umständlichen Batteriewechsels, insbesondere wenn mehrer Shootings an einem Tag stattfinden.

Das Setup meiner Schapp-Fotos seht Ihr in der Skizze unten:
Verwendet wurden zwei Systemblitze Yongnou YN-685 in Softboxen von hinten als Streiflicht und eine Sytemblitz gleichen Modells in einer größeren Softbox mit einem Wabenreflektor von Vorne. Alle Blitze wurden auf 1/8 Leistung eingestellt. Damit ich keine Reflexionen im Bild habe, wurden die beiden Abdunkler aufgestellt. Das Setup kann aber durchaus anders aussehen, ich benötige die beiden Blitze von hinten da ich immer mit einem schwarzen Hintergrund arbeite und mir die beiden Blitze als Streiflicht dazu dienen, das Hundetier vom Hintergrund abzuheben. Mit einem helleren Hintergrund ist die Sache weitaus einfacher.

Die Kameraeinstellung für das Setup mit schwarzem Hintergrund:
F10, 1/200, ISO500, 20mm

Schnapp-Foto Setup
Mein Studio Setup für die Schnapp-Fotos

Über Fragen, Kritik und Anregungen freue ich mich in den Kommentaren.

Euer Marcus

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.